18.11.2026
Kreis Warendorf/Liesborn. Der verflixte fünfte Ton…!“ Ausgerechnet der ist es, mit dem das Jagdleitsignal „Fuchs tot“ beginnt, welches wiederum zum Pflichtprogramm einer jeden Bläserprüfung der KJS Warendorf zählt. Dieser stellten sich vor kurzem in der Liesborner Grundschule 16 Nachwuchs-Jagdhornbläser aller Altersklassen. 12 davon konnten am Ende mit dem ersehnten Bläserhutabzeichen nach Hause gehen.

Jette Böntrup lächelt erleichtert, als sie ihren Namen und das „Wort „Bestanden“ hört. Die Zwölfjährige gehörte zu den jüngsten Prüflingen, die sich den drei Wertungsrichtern, dem KJS-Obmann für jagdliches Brauchtum, Günther Lunemann, dessen Stellvertreter Thomas Dreimann sowie Reinhard Elsbecker von der KJS Coesfeld erfolgreich gestellt hat. Fünf Signale von 13 möglichen mussten die Nachwuchsbläser für die Prüfung können. Wichtigstes Kriterium beim Vortrag: Die Jagdsignale müssen für die Jury gut hörbar und gut erkennbar sein. Jette Böntrup, die die Tradition in der Familie – sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater sind Jäger – fortführen möchte, hat diese Herausforderung trotz erhöhtem Schwierigkeitsgrad – sie trägt eine Zahnspange – gut gemeistert.
Ein bis eineinhalb Jahre dauere es in der Regel, bis der Bläsernachwuchs prüfungsreif ist, weiß Thomas Dreimann. Die Prüfungsvorbereitung in Liesborn hatte die Ahlenerin Desirée Menke übernommen. Sie hat die Nachwuchsgruppe auf die Prüfung vorbereitet. Zu den erfolgreichen Prüfungsteilnehmern zählte auch Bernard Nuphaus, der bereits 69 Jahre in die Waagschale des Lebens werfen kann. Der Gruppenälteste ist weder familiär jagdlich vorbelastet, noch ist er selbst Jäger. „Ich mag das Instrument, es macht einfach Spaß“, sagt Nuphaus, der eine Annonce in der Zeitung gesehen hatte und sich dadurch genügend animiert fühlte, das Jagdhornblasen zu erlernen.
Wie Günther Lunemann berichtet, haben von den 19 Hegeringen der Kreisjägerschaft Warendorf 17 Hegeringe eigene und zum Teil mehrere Bläsergruppen. Rund 80 Prozent der Bläser hätten dabei einen jagdlichen Hintergrund. Lunemann, der sein Amt als Obmann für jagdliches Brauchtum in der KJS Warendorf bereits seit 38 Jahren ausübt, schätzt, dass es im Kreis Warendorf rund 450 Jagdhornbläser gibt. Nicht alle von ihnen würden jedoch für Wettbewerbe üben, weiß der Bläserexperte. Manche seien reine Brauchtumsbläser, die ihr Horn ausschließlich im Jagdbetrieb oder nach einer Jagd erklingen lassen. Und bei dieser haben Jagdhörner selbst im Zeitalter von Smartphone & Co. immer noch eine wichtige Bedeutung, erklärt Thomas Dreimann. Ihm zufolge ist Jagdhornblasen mehr als nur ein
musikalischer Zeitvertreib. „Es ist ein jahrhundertaltes Brauchtum, das Generationen verbindet, Gemeinschaft fördert und nach wie vor der Verständigung zwischen den Jägern bei einer Jagd dient. Ein Handy geht leer, das Jagdhorn geht immer“, bringt Thomas Dreimann es auf den Punkt. Wichtige Jagdleitsignale, die auf vielen Jagden erklingen, seien beispielsweise „Fuchs tot“, „Treiber in den Kessel“, „Das Ganze Anblasen des Treibens“, „Das Ganze Treiben zurück“ oder aber auch „Aufbruch zur Jagd.“ Mit den Totsignalen, die nach der Streckenlegung erfolgen, würden die Jäger den erlegten Tieren, ihre letzte Ehre erweisen.


Dass am Ende zwölf Prüflinge das ersehnte Bläserhutabzeichen mit nach Hause nehmen konnten, freut Lunemann und Dreimann. Schließlich sind die beiden federführend bei den Kreisbläserwettbewerben im Jagdhornblasen involviert, die im Zweijahresrhythmus an unterschiedlichen Orten im Kreis Warendorf stattfinden. In diesem Jahr bot das Gelände des Landgestüts die Bühne für den KJS-Bläserwettbewerb. 224 Jagdhornbläser hatten daran teilgenommen, erinnern sich die beiden Obmänner gern an die Veranstaltung zurück. „Ein solcher Wettbewerb kann aber nur dann funktionieren, wenn genügend Bläsergruppen daran teilnehmen, wenn es genügend Nachwuchs gibt. Daher freuen sie sich über jeden einzelnen neuen Jagdhornbläser in den Reihen der Jägerschaft.
