
19.03.2026
Kreis Warendorf (dor). Mittwoch kurz vor 19 Uhr. Mit zielstrebigem Schritt steuern zahlreiche Männer und Frauen aufs erste Obergeschoss in der Deula zu. Ihr Ziel: Raum 5. Hier findet seit Anfang Januar dreimal wöchentlich der Jungjägerkurs der Kreisjägerschaft Warendorf statt.
Sehr abgespannt sieht Steffen Gloger nicht aus. Dabei hat der Projektleiter Maschinenbau, der aus Oelde kommt und in Beelen arbeitet, schon einen neun- bis zehnstündigen Arbeitstag hinter sich. „Seit Kursbeginn arbeite ich länger, damit ich von Beelen gleich zum Jungjägerkurs fahren kann,“ erzählt er. Diesen Extra-Aufwand empfindet der 32-Jährige jedoch keineswegs als Last oder Bürde. Ganz im Gegenteil. Der Jungjägerkurs sei für ihn Freizeit und mehr Vergnügen als zusätzliche Arbeit.
„Es macht Spaß und es ist sehr interessant, über das unterschiedliche Verhalten der Tiere, zum Beispiel bei der Brunft von Dam- und Rotwild zu erfahren“, so der Oelder, in dessen Familie bereits viele Jäger zu finden sind. Er habe lange schon mit dem Gedanken gespielt, seinen Jagdschein zu machen, jetzt setzt er diesen Wunsch in die Tat um. Was ihn bisher am Lehrplan besonders überrascht hat, ist das Zusammenspiel zwischen Jagd- und Naturschutz.
„50 Prozent der Inhalte beschäftigen sich mit dem Naturschutz, und damit, wie wir als Jäger Einfluss auf eine artenreiche Umgebung nehmen können“, so Gloger. Der junge Mann ist einer von 29 Männern und neun Frauen, die derzeit am Jungjägerkurs der Kreisjägerschaft teilnehmen. „Es ist ein Querschnitt der Gesellschaft, der sich hier versammelt, von jungen Leuten, die noch zur Schule gehen bis hin zu älteren Menschen kurz vor de Rente, vom kleinen Angestellten bis hin zum Unternehmer ist alles vertreten,“ sagt Bernd Beck.


Und das Schöne daran: „Alle verstehen sich, es entstehen oft langanhaltende Freundschaften, die zum Teil durch regelmäßige Treffen aufrechterhalten werden“, freut sich Beck, der als Berufsjäger die Jungjäger in spe im Fach „Wildbiologie und Jagdbetrieb“ fit macht. Seine Worte bestätigt Karina Schulze Osthoff. „Wir fühlen uns hier auch als Frau super aufgehoben, wir agieren im Team und haben eine schöne Gruppendynamik, das schweißt zusammen,“ lobt Schulze Osthoff. Bernd Beck freut´s. Er weiß, dass die Teilnehmer einiges auf sich nehmen, um das grüne Abitur, wie die Jagdprüfung auch genannt wird, zu bestehen.
Der theoretische Unterricht umfasst neben Wildbiologie/ Jagdbetrieb auch Fächer, wie Hundewesen und Wildbrethygiene, Brauchtum und Jagdrecht, Land- und Waldbau und nicht zu vergessen Waffentechnik, Waffenrecht und Waffen-Handhabung. Bei Letztgenanntem werden die Kursteilnehmer jeden Samstag auf dem Schießstand am Butterpatt im praktischen Schießen unterrichtet. Während Michaela und Benno Schulze-Eckel das Kugelschießen betreuen, übt Franz-Josef Möllmann auf dem Skeetstand das Schießen mit der Flinte. „Die wenigsten haben schon mal eine Waffe in der Hand gehabt“, weiß auch Claudia Böckenhüser, die als Geschäftsstellenleiterin der KJS Warendorf den Jungjägerkurs organisiert. Sie schaut öfter mal am Schießstand vorbei, um sich über die Fortschritte der Teilnehmer zu informieren.
Für Ann-Kathrin Borghoff ist das Schießen eine gewisse Herausforderung. „Die Waffe wiegt schon einiges, man muss erstmal ein Gefühl dafür bekommen“, hat die 27-Jährige festgestellt. Wie gut, dass das Ehepaar Schulze Eckel beruhigend auf die Neulinge einwirkt, so dass diese am Ende ihren Treffer auf den laufenden Keiler gut platzieren können. Frauke Holwitt findet das Tontaubenschießen schwieriger.
„Wir müssen vorausdenken und dorthin schießen, wo die Tontaube erst Sekunden später sein wird“, erklärt sie. Nach dem praktischen Schießen am Butterpatt geht es zurück in die Deula, wo die Teilnehmer in der Waffenkunde und im Waffenrecht unterrichtet werden. Komplettiert wird das Programm des Jungjägerkurses durch einige Exkursionen. Besonders beliebt ist die Fahrt zum Tierpark Olderdissen. Hier können die künftigen Jungjäger die Waldtiere und ihr Verhalten in der Natur studieren und ihre Kenntnisse vertiefen. Diese werden im Rahmen der schriftlichen Prüfung am 20. April abgefragt, danach folgen das praktische Schießen und die mündliche Prüfung. Angst davor hat Karina Schulze Osthoff nicht. „Der Kurs macht so viel Spaß und wir werden so gut auf die Prüfung vorbereitet, das wird schon schiefgehen“, ist die 23-Jährige überzeugt.
