01.10.2025
Eine Strukturbrücke ist dabei mehr als ein gewöhnlicher Blühstreifen. Sie wird als breiter Streifen mitten in einem Acker angelegt und bleibt stehen, wenn das Getreide ringsherum bereits geerntet ist. So finden die Tiere auch dann noch Nahrung und Deckung, wenn auf den angrenzenden Flächen kaum noch Schutz vorhanden ist. Gleichzeitig locken die Blühpflanzen zahlreiche Insekten an, die wiederum für viele Vogelarten eine wichtige Nahrungsquelle darstellen.
Kreis Warendorf. „Es funktioniert.“ Mit einem glücklichen Lächeln deutet der Sendenhorster Landwirt Karl Werring auf die 450 Meter lange und 42 Meter breite Strukturbrücke, die die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft im Auftrag der Kreisjägerschaft dort im November hat anlegen lassen. „Die Tiere kommen.“ Nicht nur Feldlerchen habe er beobachtet, sondern gleich eine ganze Rebhuhnkette. Auch seltene Rohrweihen und Kiebitze, Hasen und Fasane hätten den Schutz- und Nahrungsraum für sich entdeckt, freut sich Werring.
Karl Werring ist nur einer von vielen Landwirten und Revierinhabern, die sich im Rahmen des „W-Land“-Projekts bereit erklärt haben, ein Stück ihrer Flächen für Biotop-verbessernde Maßnahmen zur Verfügung zu stellen. Im mittlerweile siebten Jahr des von der Kreisjägerschaft Warendorf initiierten Projekts „W-Land“ – kurz für „Warendorfer Landnutzer arbeiten für Naturschutzzwecke und Biodiversität“ – hat sich das Projekt längst etabliert. „Die Nachfrage ist deutlich höher als das, was realisiert werden kann“, berichtete Josef Roxel beim jüngsten Jahrestermin des W-Land-Projekts auf der Fläche von Karl Werring.
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Vor Ort wollte er vor allem eines: Danke sagen – an alle, die bei dem Projekt an einem Strang ziehen: An den Kreis Warendorf,
an Jäger und Landwirte, an die Stiftung wie auch an die Sponsoren, allen voran die Volksbank Münsterland und die VR Bank Westfalen-Lippe. Roxel erinnerte daran, dass Landrat Dr. Olaf Gericke “W-Land” einmal als Leuchtturmprojekt bezeichnet habe. „Und das ist es immer noch, die Strahlkraft ist gleichgeblieben, stellte Roxel erfreut fest.“ Wie er darlegte, hätten inzwischen auch Kreisjägerschaften in anderen Regionen, etwa in Unna, Gütersloh, Soest oder Recklinghausen, ähnliche Projekte für mehr Biodiversität und Artenvielfalt aufgelegt. „Das zeigt, dass W-Land gut ist“, so der KJS-Vorsitzende.
Andreas Westermann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, wertet die hohe Beteiligung der Landwirte am Projekt als positives Zeichen. „Es zeigt, wir Landwirte sind bereit, freiwillig Leistungen zu erbringen.“ W-Land genieße in der Region eine hohe Anerkennung.
Dass der Kreis das Projekt von Anfang an unterstützt habe, zeige nach Meinung Dr. Olaf Gerickes, wie handlungsorientiert die Kreisverwaltung sei: „Wir gehen die Probleme an und lösen sie, dabei bringen wir Beteiligte mit verschiedenen Nutzungsinteressen an einen Tisch,“ so der Landrat. Die Natur ist für ihn nicht nur Lebens-, sondern auch Erlebnisraum. Blühstreifen, Wildblumen und selten gewordene Vögel machten sie auch für den Menschen erlebbar. Die Tourismuszahlen im Kreis Warendorf jedenfalls seien so hoch wie noch nie.
Für Hendrik Specht, Mitarbeiter der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, ist das “W-Land”-Projekt mittlerweile zum Selbstläufer geworden. „Je länger wir hier im Kreis aktiv sind und je mehr Betriebe wir beraten haben, desto
mehr wollen mitmachen“, freut sich Specht.
Bis zum Frühjahr 2026 seien auf knapp 300 Hektar Blüh- und Brutstätten sowie Nahrungs- und Schutzräume für Offenlandarten umgesetzt worden. Und zwar immer unter der Maßgabe, mit möglichst effizienten Maßnahmen auf den jeweiligen Flächen etwas zu schaffen, das mehreren Arten zugutekomme. Zu weiteren Bausteinen des W-Land-Projekts zählen neben der Einrichtung von Strukturbrücken, Hecken- und Waldrandpflege, Vertragsnaturschutz, Agrarumweltmaßnahmen und der Aufbau von Wildäckern.
Was auf der Fläche von Karl Werring für Kiebitze, Rebhühner, Feldlerchen und Hasen umgesetzt worden sei, liege laut Specht im „Premium“-Bereich. Gute Voraussetzungen, dass die Erfolgsgeschichte des W-Land Projekts über die nächste Finanzierungsphase hinaus – im Jahr 2027 werden die Weichen neu gestellt – fortgeschrieben werden kann.

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