Allgemein

Landesjägertag

11.06.2024

Kreis Warendorf (dor). Die Kreisjägerschaft ist mit ihren 2600 Mitgliedern, 19 Hegeringen und 428 Revieren ein Pfund, auf das Menschen, Tier und Natur im ländlichen Raum setzen können. Nicht zuletzt aufgrund des engagierten Wirkens der Jägerschaft ist der Kreis Warendorf bezogen auf die jagbare Fläche der niederwildstärkste Kreis Deutschlands. Damit das so bleibt, hat die Kreisjägerschaft zahlreiche Projekte und Initiativen angestoßen, zudem wurden im vergangenen Jahr zum Schutz der heimischen Tierarten allein 1800 Waschbären im Kreis Warendorf erlegt. Diese beeindruckenden Zahlen präsentierte der KJS- Vorsitzende Josef Roxel jetzt bei dem von der KJS-Warendorf ausgerichteten NRW Landesjägertag 2024 in der Stadthalle Ahlen.

Roxel dankte seinem Vorstandsteam, welches  der Veranstaltung mit Ausstellung und Tombola einen attraktiven Rahmen gegeben hat. Die geleistete Arbeit kam bestens an. „Sie haben ordentlich die Werbetrommel gerührt, so gut besucht wie heute war ein NRW-Landesjägertag lange nicht mehr“, freute sich die Präsidentin des 52 Kreisjägerschaften umfassenden und mit 65.000 Mitgliedern größten Landesjagdverbands Deutschlands, Nicole Heitzig, über ein volles Haus.

Ahlens Bürgermeister, Dr. Alexander Berger, bezeichnete die Ortswahl des diesjährigen Landesjägertages als „eine große Ehre“ für die Stadt Ahlen, die in diesem Jahr ihre 800 Jahrfeier begehe. Wie er weiter sagte, sei das Jagdwesen in Ahlen tief verwurzelt. Es genieße eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Nicht umsonst habe Ahlen einen der größten Hegeringe im Kreis Warendorf. „Jagd ist mehr das Erlegen von Tieren, es ist gelebter Naturschutz“, sagte der Bürgermeister, der neben der rollenden Waldschule, das W-Land Projekt, die Kitzrettung mit Drohne, Wild-Grillseminare oder auch Krähenjagden als positive Aktivitäten der Jägerschaft anführte. Der stellvertretende Landrat des Kreises, Winfried Kaup, freute sich über das gute Zusammenwirken von Jägern und Landwirten, welches sich in den guten Niederwildbesätzen im Kreis zeige. „Man kennt sich, man vertraut sich, man arbeitet zusammen.“ Auch er hob als positives Beispiel das vielbeachtete W-Land Projekt von Kreisjägerschaft, Landwirtschaft und Kreis hervor. Hubertus Beringmeier, der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, dankte den Jägern für deren Unterstützung bei allen Protestaktionen. „Sie standen immer an unserer Seite. Wir brauchen einander“, machte er deutlich. Beringmeier setzte sich ausdrücklich für eine Regulierung der Wildbestände ein. „Und hierbei leisten sie eine gute Arbeit“, lobte er in Richtung der Jägerschaft. Bei der Kitzrettung sieht Beringmeier die Landwirte mit in der Verantwortung.

„Wir sind froh, dass wir ihre Mithilfe haben“, erklärte er, nicht ohne auch die gute Zusammenarbeit beim W-Land Projekt zu erwähnen. Nach all den Grußworten hatte die LJV-Präsidentin Nicole Heitzig das Wort.

Jagdpolitische Betrachtungen von Nicole Heitzig

Wie die LJV-Präsidentin in ihrem Vortrag darlegte, sei das Artensterben neben der Energiekreise und der Klimaerwärmung eine der großen Aufgaben der Gegenwart. Die damit verbundenen Herausforderungen könne man ihrer Meinung nach nicht nur naturschutzfachlich, sondern nur gemeinsam als Gesamtgesellschaft lösen. Die LJV-Präsidentin wünschte sich daher ein Ende ideologischer Grabenkämpfe und eine klare, respektvolle und wertschätzende Kommunikation mit allen am Natur- und Tierschutz beteiligten Partnern. Der Kreis Warendorf ist nach ihren Worten eine „Best-Practice Region“, in der nach außen sichtbar werde, wie die Jagd den Naturschutz unterstützen könne. Die gefährdeten Offenlandarten würden durch das W-Land Projekt geschützt. Wichtig für den Schutz von Wachtel, Rebhuhn und Fasan, Kiebitz, Feldhase und Co. sei jedoch auch eine konsequente Prädatorenbejagung, stellte sie klar. Heitzig bedankte sich beim Thema „Rote Liste“ gefährdeter Tierarten explizit bei den Falknern unter den Jägern. Diese hätten mit ihrer hervorragenden Arbeit für eine Bestandzunahme des vormals gefährdeten Wanderfalken gesorgt. Ein Dank der LJV-Präsidentin ging am Ende ihres Vortrages auch an Innenminister Reul, der die Aufklärung von Straftaten militanter und politisch motivierter Tierrechtler zur Chefsache erklärt und den Staatsschutz seines Hauses mit der Klärung von derlei Fällen beauftragt habe.

„Jagdsabotage, Morddrohungen, Vandalismus an jagdlichen Einrichtungen gehören ebenso verurteilt wie Banden und Clan-Kriminalität“, stellte Heitzig, die hauptberuflich als Richterin am Amtsgericht Paderborn tätig ist, klar. Abschließend forderte sie die Anwesenden auf, wählen zu gehen und ein Zeichen zu setzen, dass die Jagd kein Spielball der Politik sei.

Der Kreis Warendorf ist bezogen auf die jagbare Fläche der niederwildreichste Kreis Deutschlands. Aus diesem Grund übergab der KJS-Vorstand hier mit Richard Roberg, Josef Roxel und Markus Degener den Rednern, der LJV-Präsidentin Nicole Heitzig sowie dem DJV-Präsidenten Helmut Dammann-Tamke (re.) einen Niederwild-Beetstecker.

DJV Präsident Helmut Dammann-Tamke beschwört Geschlossenheit unter den Jägern

Der Rede Heitzigs folgten die jagdpolitischen Betrachtungen des DJV-Präsidenten Helmut Dammann-Tamke. Dieser zeigte sich sehr enttäuscht über die Bundesregierung und deren Tatenlosigkeit gegenüber der Zunahme der Wolfspopulation. In den fünf Kernländern des Wolfes – Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, die anderen bezeichnete er als Wolfserwartungsländer – seien in einem Jahr über 4000 Nutztiere gerissen worden, berichtete der DJV-Präsident.

Die Wiederansiedlung des Wolfes sei zwar ein Erfolg für den Artenschutz, die Kehrseite aber der nicht vorhandene Tierschutz. „Von den Opfern redet keiner“, so Tammann-Damke. Dieser setzte sich in seiner Rede dafür ein, als Jägerschaft geschlossen und mit einer Stimme aufzutreten. „Geschlossenheit ist das A und O erfolgreicher Verbandsarbeit“, so der DJV-Präsident, der die Jäger in seiner Rede auch auf die zunehmende Digitalisierung in der Kommunikation vorbereitete. „Wir müssen raus aus unserer Blase, wir müssen gerade den jungen Menschen auf deren Kommunikationswegen begegnen, um ihnen so Inhalt und Gründe der Jagd näherzubringen“, so Tammann-Damke.

Ehrungen verdienter Mitglieder und Projekte

Für seinen langjähriges und engagierten Einsatz für das Jagdwesen wurde Ferdinand Freiherr von Korff auf dem Landesjägertag mit der Verdienstnadel in Gold des LJV ausgezeichnet.

Sowohl beim Landesjägertag als auch bei der anschließenden Mitgliederversammlung wurden verdiente Projekte und Mitglieder geehrt. Ferdinand Freiherr von Korff wurde für seinen langjährigen und engagierten Einsatz für das Jagdwesen mit der Verdienstnadel in Gold des Landesjagdverbands ausgezeichnet. Die gleiche Ehrung wurde Birgit Barczak (KJS Hagen), Sven Dominicus-Schleutermann (KJS Remscheid), Heiko Dunkel, Jens Hanfland und Phillip Nikodem (alle Märkische Kreisjägerschaft), Karl-Heinz Kuckelkorn (KJS Aachen Stadt und Land) sowie Prof. Lothar Reinken von der (KJS Hamm) zuteil. Die Rüdemannplakette in Gold des LJV erhielt Helmut Nordhaus von der KJS Hamm. Der Biotophege-Preis 2024 der Wildtier- und Biotopschutz-Stiftung Nordrhein-Westfalen nahm in diesem Jahr Klaus Weinem, Revierleiter der Gräflichen von Spee´schen Forstverwaltung für das Projekt „Eigenjagdbezirk Schloss Heltorf“ entgegen. Den Lernort-Natur-Preis verlieh die LJV-Präsidentin Nicole Heitzik an die Kreisjägerschaft Rhein-Erft sowie den Hegering Erftstadt für ihre Dauerausstellung der stationären Waldschule im Umwelt- und Naturparkzentrum Friesheimer Busch in Erftstadt.

Die KJS Warendorf als Ausrichter des Landesjägertages NRW 202 hat ganze Arbeit geleistet. Die Organisation stimmte und auch die Ahlener Stadthalle war voll besetzt.

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